Der Vergleich zwischen Oxymetholon (Anadrol) und Methandienon (Dianabol) wird seit fünfzig Jahren geführt und fast nie mit Zahlen aus kontrollierten Studien. Das ist bemerkenswert, denn es gibt sie: drei doppelblinde Untersuchungen mit Placebo- oder Crossover-Kontrolle, zwei zu Methandienon und eine zu Oxymetholon.
Ihre Ergebnisse liegen näher beieinander, als jede Forendiskussion vermuten lässt — 3,5 kg, 3,3 kg und 2,3 kg Gewichtszunahme. Und sie enthalten drei Befunde, die praktisch nirgends zitiert werden: Die Kraftsteigerung war in der Methandienon-Studie nicht signifikant besser als unter Placebo. Die Autoren der zweiten Studie kamen zu dem Schluss, die Zunahme sei kein normales Muskelgewebe. Und in der Oxymetholon-Studie gewann die niedrigere Dosis mehr Gewicht bei deutlich weniger Leberschäden.
Dieser Artikel führt den Vergleich anhand dieser Daten. Wo eine kursierende Zahl keine Quelle hat, steht das ausdrücklich da.
Anadrol und Dianabol im direkten Vergleich
Anadrol und Dianabol sind beide oral wirksame, 17α-alkylierte Testosteronderivate mit hoher Wasserretention, ausgeprägter Achsenunterdrückung und dokumentierter Lebertoxizität. Der wesentliche Unterschied liegt nicht in der Wirkstärke — kontrollierte Studien liefern für beide dieselbe Größenordnung —, sondern in der Datenlage: Für Oxymetholon existiert eine placebokontrollierte Phase-III-Studie mit 89 Teilnehmern, für Methandienon zwei kleine Crossover-Studien aus den 1970er und 1980er Jahren.
| Merkmal | Anadrol (Oxymetholon) | Dianabol (Methandienon) |
|---|---|---|
| Erstvermarktung | 1961, Syntex | 1958, CIBA |
| Wirkstoffklasse | oral, 17α-alkyliert (DHT-Derivat) | oral, 17α-alkyliert (Testosteronderivat) |
| Zulassung Deutschland | keine | keine |
| Beste Studie | RCT, n = 89, 16 Wochen | Crossover, n = 11 und n = 7, je 6 Wochen |
| Gewichtszunahme dort | +3,5 ± 0,7 kg (100 mg/Tag) | +3,3 ± 0,6 kg bzw. +2,3 ± 0,4 kg (100 mg/Tag) |
| Kraftsteigerung vs. Placebo | nicht als Endpunkt untersucht | nicht signifikant |
| Halbwertszeit | ca. 8 h — aber n = 3 | kein Humandatensatz |
| nicht geringe Menge (DmMV) | 100 mg | 100 mg |
| Lebertoxizität | ALT > 5-fach bei 35 % (150 mg/Tag) | LiverTox-Klassenkapitel, keine Rate |
Was in kontrollierten Humanstudien tatsächlich gemessen wurde
Drei Studien tragen den gesamten Vergleich, und alle drei sind älter oder kleiner, als die Zuversicht der üblichen Darstellungen vermuten lässt. Für Methandienon liegen zwei doppelblinde Crossover-Studien derselben britischen Arbeitsgruppe vor: 1976 mit elf trainierten Männern, 1981 mit sieben Gewichthebern, jeweils 100 mg täglich über sechs Wochen. Für Oxymetholon existiert eine randomisierte, placebokontrollierte Phase-III-Studie mit 89 Teilnehmern über 16 Wochen.
| Studie | Substanz | Design | n | Dosis | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Hervey 1976, Lancet, PMID 61389 | Methandienon | doppelblind, Crossover | 11 | 100 mg/Tag, 6 Wo | +3,3 ± 0,6 kg; Kalium +420 ± 68 mmol |
| Hervey 1981, Clin Sci, PMID 7018798 | Methandienon | doppelblind, Crossover | 7 | 100 mg/Tag, 6 Wo | +2,3 ± 0,4 kg; Kalium +436 ± 41 mmol; Stickstoff +255 ± 69 g |
| Hengge 2003, AIDS, PMID 12646793 | Oxymetholon | randomisiert, placebokontrolliert | 89 | 50 mg 2×/Tag bzw. 3×/Tag, 16 Wo | +3,5 ± 0,7 kg bzw. +3,0 ± 0,5 kg vs. +1,0 ± 0,7 kg Placebo |
Die naheliegende Lesart lautet: Anadrol führt, aber knapp. Sie ist zulässig — und sie übersieht, dass die drei Studien unterschiedliche Populationen, Zeiträume und Endpunkte hatten. Hengge untersuchte HIV-Patienten mit Wasting-Syndrom über 16 Wochen; Hervey untersuchte trainierende Männer über sechs. Ein direkter Wirkstärkevergleich lässt sich daraus nicht ableiten. Was sich ableiten lässt, ist die Größenordnung: In keiner dieser Studien lag die Zunahme bei zweistelligen Kilogramm-Werten, und die in Foren kursierenden „30 lbs in sechs Wochen" haben in keiner kontrollierten Untersuchung eine Entsprechung.
Wie sich die Wirkung von Oxymetholon im Detail zusammensetzt, welche Anteile Wasser sind und welche nicht, behandelt Anadrol Wirkungen mit der Aufschlüsselung nach Studienlage und Anwendungsdauer; die entsprechende Einordnung für Methandienon samt der Herkunft der kursierenden Kennzahlen liefert Dianabol Wirkung mit der Trennung zwischen belegten und übernommenen Angaben. Die konkreten Wochenschemata, Einstiegsdosen und Kontrollzeitpunkte führen Anadrol Kur und Dosierung mit Leberkontrollen und Abbruchkriterien sowie Dianabol Kur und Dosierung mit Wochenschema und Basisplanung auf.
Warum die Studienautoren ihre eigenen Zahlen anders lesen als jedes Forum
Die beiden Hervey-Studien werden dauernd als Beleg für Muskelaufbau durch Methandienon zitiert — und beide Publikationen schließen genau das aus, in demselben Text, aus dem die Kilogramm-Zahl stammt. Die Arbeit von 1976 fand keinen signifikanten Kraftvorteil gegenüber Placebo und ließ die Frage einer anabolen Wirkung ausdrücklich offen. Die Arbeit von 1981 kam zu dem Schluss, die erzeugte Gewichtszunahme sei kein normales Muskelgewebe. Wer die Zahlen zitiert, ohne die Schlussfolgerungen mitzuzitieren, dreht das Ergebnis um.
Die Studie von 1976 hält fest, dass die Zunahme auf den fettfreien Anteil des Körpers beschränkt war, verzeichnet aber gleichzeitig: „Strength and performance improved over each training period, but not significantly differently on drug and placebo." Die Teilnehmer wurden unter Verum wie unter Placebo stärker — der Unterschied zwischen beiden war nicht signifikant. Das Fazit der Arbeit lautet, die Frage einer anabolen Wirkung bleibe offen; die Zunahme könne intrazelluläre Flüssigkeit sein.
Die Studie von 1981 wird noch deutlicher. Kalium und Stickstoff stiegen im Verhältnis zur Gewichtszunahme so stark an, dass die Autoren schreiben, die Zuwächse seien „too large in proportion to the weight gain … for this to be attributed to gain of normal muscle or other lean tissue" — und daraus schließen: die erzeugte Gewichtszunahme ist kein normales Muskelgewebe.
Das ist der wichtigste Satz dieses Artikels, und er stammt nicht von einem Kritiker, sondern von den Autoren der meistzitierten Studie zum Thema. Er widerlegt nicht, dass Methandienon Gewicht macht — das steht in beiden Arbeiten. Er widerlegt, dass dieses Gewicht das ist, wofür es gehalten wird.
Praktisch bedeutet das zweierlei. Erstens: Die Zunahme in den ersten Wochen ist zu einem erheblichen Anteil intrazelluläres Wasser, und sie geht nach dem Absetzen entsprechend zurück. Zweitens: Wer die Kur an der Waage bewertet, bewertet die Variable, die am wenigsten aussagt.
Anadrol: was die einzige placebokontrollierte Studie zeigt
Die Hengge-Studie ist die methodisch stärkste Arbeit zu beiden Substanzen und liefert einen Befund, den kaum eine Darstellung wiedergibt, weil er der Erwartung widerspricht: Die höhere Dosis schnitt schlechter ab. 89 Teilnehmer erhielten 16 Wochen doppelblind entweder Placebo, 50 mg Oxymetholon zweimal täglich (100 mg/Tag) oder 50 mg dreimal täglich (150 mg/Tag). Die 100-mg-Gruppe nahm 3,5 ± 0,7 kg zu, die 150-mg-Gruppe nur 3,0 ± 0,5 kg — bei erheblich mehr Leberschäden.
| Endpunkt | Placebo | 100 mg/Tag | 150 mg/Tag |
|---|---|---|---|
| Gewichtszunahme | +1,0 ± 0,7 kg | +3,5 ± 0,7 kg | +3,0 ± 0,5 kg |
| ALT über dem 5-fachen Ausgangswert | 0 % | 27 % | 35 % |
| Therapieabbruch wegen Lebertoxizität | — | 3 % | 16 % |
Es gab also keine Dosis-Wirkungs-Beziehung nach oben, wohl aber eine bei der Toxizität. Mehr Milligramm brachten in der einzigen placebokontrollierten Studie zu dieser Substanz weniger Gewicht und mehr Leberschäden. Alle Ereignisse vom Schweregrad 4 bildeten sich nach Absetzen zurück — das ist die gute Nachricht, und sie gilt für Werte, die engmaschig kontrolliert wurden.
Diese Zahl ist die praktisch wichtigste des gesamten Vergleichs, weil sie die Standardlogik der Dosissteigerung direkt trifft. Welche Leberwerte in welchen Abständen kontrolliert gehören und woran sich eine cholestatische Schädigung von einer trainingsbedingten Transaminasenerhöhung unterscheiden lässt, behandelt Steroide und Leber mit den Schädigungsmustern und ihren zeitlichen Verläufen.
Woher kommen die Verhältniszahlen 320:45 und 210:60?
Aus dem kastrierten Ratten-Bioassay — und aus einem Nachschlagewerk, nicht aus einer Primärpublikation. Die anabol-androgenen Verhältniszahlen, die auf praktisch jeder Seite zu diesen beiden Substanzen stehen, gehen auf den Hershberger-Test zurück: Bei kastrierten Ratten wird das Wachstum des Musculus levator ani als „anabol" und das von Prostata und Samenblasen als „androgen" gemessen. Für Oxymetholon 320:45 existiert keine auffindbare Primärquelle; die Zahl stammt aus der Zusammenstellung eines Bodybuilding-Nachschlagewerks.
Der Autor dieses Werks räumt die Grenzen selbst ein: Die Werte stammen aus Tiermodellen, und anabole Steroide verhielten sich nicht durchgängig entsprechend ihren dort ermittelten Profilen. Die englischsprachigen Enzyklopädieeinträge zu beiden Substanzen zitieren dieselbe Quelle und veröffentlichen überhaupt keine Verhältniszahl.
Die Spannen sind selbst der beste Hinweis. Wenn dieselbe Substanz als „90–210 : 40–60" geführt wird, wurden Ergebnisse aus nicht vergleichbaren Assays zusammengeworfen. Eine Kennzahl mit einer Bandbreite von Faktor zwei ist keine Kennzahl.
Was diese Zahlen praktisch bedeuten: nichts. Sie sagen nichts über Muskelzuwachs beim Menschen, nichts über das Nebenwirkungsprofil und nichts über die Lebertoxizität voraus. Wer zwei Substanzen anhand ihrer Ratios vergleicht, vergleicht zwei Rattenprostatae.
Halbwertszeit: was gemessen ist und was abgeschrieben
Für Methandienon existiert kein publizierter Humandatensatz zur Halbwertszeit. Die überall genannten „3 bis 6 Stunden" stammen aus Lehr- und Nachschlagewerken. Die Substanzmonografie des internationalen Programms für chemische Sicherheit nennt keinen Zahlenwert, sondern nur die Feststellung, die Eliminationshalbwertszeit aus dem Plasma sei sehr kurz. Die Variante „4 bis 6 Stunden", die auf mehreren deutschen Seiten steht, hat gar keine Quelle.
Für Oxymetholon existiert ein Datensatz, aber ein sehr dünner: Eine Methodenvalidierung für die GC-MS-Analytik gab drei gesunden Frauen einmalig 50 mg oral und berechnete eine Halbwertszeit von 479,6 ± 213,9 Minuten, also rund 8,0 ± 3,6 Stunden. Die „8 bis 9 Stunden" sind damit nicht erfunden — sie beruhen auf drei Personen, einer Einzeldosis und einer Standardabweichung von dreieinhalb Stunden. Standardnachschlagewerke führen die Halbwertszeit von Oxymetholon weiterhin als unbekannt.
| Substanz | Kursierender Wert | Tatsächliche Belegqualität |
|---|---|---|
| Methandienon | 3–6 h bzw. 4–6 h | kein Humandatensatz; Lehrbuchwert |
| Oxymetholon | 8–9 h | n = 3, Einzeldosis, ± 3,6 h Streuung |
Die praktische Konsequenz betrifft die Einnahmefrequenz. Wer die Tagesdosis aufteilt, weil eine kurze Halbwertszeit das nahelege, stützt sich bei Methandienon auf einen Wert, den niemand gemessen hat. Das heißt nicht, dass die Aufteilung falsch ist — es heißt, dass sie eine Konvention ist und kein Befund.
Nebenwirkungen: was sich unterscheidet, was beide teilen
Anadrol und Dianabol teilen den gesamten Kern des Nebenwirkungsprofils, weil sie denselben strukturellen Eingriff tragen: die 17α-Alkylierung, die orale Wirksamkeit ermöglicht und die Leber belastet. Lebertoxizität, Wasserretention, HDL-Abfall, Blutdruckanstieg, Gynäkomastierisiko und vollständige Achsenunterdrückung treten bei beiden auf. Die Unterschiede liegen im Detail: Methandienon aromatisiert direkt zu Methylöstradiol, Oxymetholon nicht — zeigt aber trotzdem ausgeprägte östrogenartige Effekte über einen anderen Weg.
| Nebenwirkung | Anadrol | Dianabol | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Lebertoxizität | ja, quantifiziert | ja | beide 17α-alkyliert |
| Wasserretention | ausgeprägt | ausgeprägt | Hauptanteil der frühen Zunahme |
| HDL-Abfall | ja | ja | route- und alkylierungsbedingt |
| Blutdruckanstieg | ja | ja | Folge der Retention |
| Gynäkomastie | ja | ja | unterschiedliche Mechanismen |
| Achsenunterdrückung | vollständig | vollständig | PCT in beiden Fällen erforderlich |
| Appetitwirkung | häufig appetitmindernd berichtet | eher neutral | nicht kontrolliert untersucht |
Welche Grenzwerte im Einzelnen gelten, ab welchem Transaminasenwert abgebrochen wird und warum ein erhöhter Wert bei Trainierenden nicht automatisch die Leber betrifft, schlüsselt Nebenwirkungen von Dianabol mit den Alarmwerten und den Kontrollzeitpunkten auf.
Der HDL-Abfall ist bei beiden der unterschätzte Punkt, weil er sich nicht bemerkbar macht und nicht an der Waage erscheint. Er ist bei oralen, 17α-alkylierten Substanzen deutlich ausgeprägter als bei injizierbarem Testosteron — und zwar unabhängig davon, ob eine Substanz aromatisiert. Warum genau die Route und die Alkylierung den Ausschlag geben und nicht die Östrogenwirkung, schlüsselt Lipidprofil auf Kur mit den Vergleichsdaten aus kontrollierten Studien und den Erholungszeiträumen nach dem Absetzen auf.
Die Datenbank LiverTox der US-amerikanischen Gesundheitsbehörden führt Methandienon und Oxymetholon beide namentlich im Kapitel zu androgenen Steroiden und nennt für die Substanzklasse verlängerte Cholestase, Peliosis hepatis, noduläre Regeneration, Leberadenome und hepatozelluläre Karzinome (LiverTox — Androgenic Steroids, NIDDK). Ein substanzspezifisches Kapitel existiert für keine der beiden Substanzen — wer eines zitiert findet, zitiert eine falsche Fundstelle.
Welche Grenzwerte für ALT, AST, GGT und Bilirubin gelten, ab welchem Wert abgebrochen wird und in welchen Abständen gemessen wird, schlüsselt Blutbild bei Steroiden: 10 Werte, die du testen musst Marker für Marker auf, samt der Intervalle vor, während und nach der Anwendung.
Rechtslage: die „nicht geringe Menge" liegt bei 100 Milligramm — für beide
Die Dopingmittel-Mengen-Verordnung legt die strafrechtlich relevante „nicht geringe Menge" für Metandienon und Oxymetholon auf jeweils 100 Milligramm der freien Verbindung fest. Der häufig zu lesende Wert von 150 Milligramm gehört zu Trenbolon, nicht zu diesen beiden. Die geltende Fassung ist die DmMV vom 10.03.2023 (BGBl. 2023 I Nr. 67); ihre Schwellen sind aus dem Dreimonatsbedarf zu therapeutischen Zwecken abgeleitet.
| Wirkstoff | nicht geringe Menge |
|---|---|
| Metandienon | 100 mg |
| Oxymetholon | 100 mg |
| Stanozolol | 100 mg |
| Oxandrolon | 100 mg |
| Trenbolon | 150 mg |
| Testosteron (parenteral) | 632 mg |
Entscheidend ist aber nicht die Zahl, sondern worauf sie sich bezieht. § 2 Abs. 3 AntiDopG erfasst das Erwerben, Besitzen und Verbringen in nicht geringer Menge, § 4 stellt es unter Strafe. Das sind Handlungen mit einer Menge zu einem Zeitpunkt. Die über eine Kur hinweg verbrauchte Gesamtmenge ist keine strafrechtliche Größe — geschluckte Tabletten werden nicht mehr besessen, und der Konsum selbst ist für Freizeitsportler nicht strafbar; § 3 AntiDopG (Selbstdoping) erfasst nur Kader- und Wettkampfsportler.
Wer also eine sechswöchige Kur zusammenrechnet und die Summe gegen die Schwelle hält, rechnet an der Norm vorbei. Die praktische Konsequenz verschiebt den Zeitpunkt allerdings nach vorn, nicht nach hinten: Eine einzelne Bestellung von 100 Tabletten à 10 Milligramm enthält 1.000 Milligramm Wirkstoff und liegt damit im Moment des Erwerbs beim Zehnfachen der Grenze. Es ist der Einkauf, der die Schwelle reißt, nicht der Verbrauch.
Welche Normen im Einzelnen gelten, wie sich Arzneimittelrecht und Anti-Doping-Gesetz zueinander verhalten und welche Rolle die Verschreibungspflicht spielt, beschreibt Sind Steroide in Deutschland rezeptpflichtig? Die Gesetzeslage mit den einschlägigen Paragraphen des Arzneimittelgesetzes und des Anti-Doping-Gesetzes.
Ein historischer Nachtrag, weil er überall falsch steht
Die Entstehungsgeschichte von Dianabol wird auf deutschen Seiten regelmäßig mit einem Ereignis verknüpft, das es nie gab: „den Olympischen Spielen 1958 in Moskau". 1958 fanden überhaupt keine Olympischen Spiele statt — die Sommerspiele lagen 1956 in Melbourne und 1960 in Rom —, und Moskau war erstmals 1980 Gastgeber. Der Satz zirkuliert trotzdem seit Jahren über deutsche Seiten hinweg, weil ihn niemand nachschlägt. Das tatsächliche Ereignis ist gut dokumentiert und liegt vier Jahre früher.
Es waren die Weltmeisterschaften im Gewichtheben 1954 in Wien, bei denen John Bosley Ziegler Mannschaftsarzt des US-Teams war. Die am besten dokumentierte Darstellung stammt aus der sporthistorischen Fachliteratur: Ziegler erfuhr im Gespräch mit einem sowjetischen Kollegen, dass deren Heber Testosteron erhielten — er hat keine Injektionen beobachtet. Methandienon wurde ab 1958 von CIBA als Dianabol vermarktet, 1983 vom Hersteller zurückgezogen, die US-Zulassung 1985 widerrufen.
Wichtig für die deutsche Einordnung, weil es ebenfalls oft verwechselt wird: Das staatliche Dopingprogramm der DDR lief nicht mit Dianabol, sondern mit Oral-Turinabol aus dem Jenapharm-Werk.
Welches passt zu welchem Ziel?
Die ehrliche Antwort lautet, dass die Datenlage diese Frage nicht auflöst. Die gemessenen Gewichtszunahmen liegen mit 3,5 kg gegenüber 3,3 kg innerhalb der Streuung, die Studien sind nicht vergleichbar angelegt, und für keine der beiden Substanzen existiert ein kontrollierter Kraftvergleich gegen die andere. Was die Daten hergeben, sind Unterschiede in der Belegbarkeit, nicht in der Wirkstärke.
Spricht für Anadrol: Die einzige placebokontrollierte Studie mit nennenswerter Fallzahl betrifft diese Substanz. Ihre Toxizitätsdaten sind quantifiziert statt geschätzt — man weiß, worauf man sich einlässt.
Spricht für Dianabol: Die niedrigere übliche Milligrammzahl und die längere Anwendungsgeschichte. Beides sind schwache Argumente; die Anwendungsgeschichte ist kein Sicherheitsbeleg.
Spricht gegen beide: Vollständige Achsenunterdrückung, ausgeprägte Wasserretention, deutlicher HDL-Abfall, dokumentierte Lebertoxizität — und in der einen Studie, die es untersucht hat, keine Kraftsteigerung gegenüber Placebo.
Dass beide eine vollständige Absetzstrategie erfordern, ist keine Option, sondern Voraussetzung. Welche Wirkstoffe dabei in welcher Reihenfolge zum Einsatz kommen, was davon belegt ist und was aus Ester-Halbwertszeiten hochgerechnet wurde, ordnet Absetzen von Steroiden: PCT-Grundlagen mit dem Ablauf von der letzten Einnahme bis zum Kontrollblutbild ein.
Was die Kur wirklich kostet
Die Tabletten sind bei beiden Substanzen der kleinste Posten, und das verzerrt jeden Preisvergleich. Zur ehrlichen Rechnung gehören die Leberwerte vor, während und nach der Anwendung, die Testosteronbasis, die Absetzmedikation und die Kontrolle danach. Wer nur den Wirkstoffpreis vergleicht, vergleicht die Position, die am wenigsten über die Gesamtkosten aussagt — und spart im Zweifel an dem einzigen Instrument, das während der Anwendung überhaupt etwas sichtbar macht.
Ein Posten fehlt in dieser Aufstellung bewusst: die Echtheitsprüfung. Bei oralen Präparaten ohne regulierte Bezugsquelle ist die Substitution durch ein anderes Androgen der Fall, der am längsten unbemerkt bleibt, weil er sich subjektiv wie ein funktionierendes Präparat anfühlt. Woran sich das erkennen lässt und wo eine reine Sichtprüfung endet, behandelt Gefälschte Steroide erkennen mit den Prüfschritten und ihren Grenzen.
| Position | Notwendigkeit | Anmerkung |
|---|---|---|
| Wirkstoff | Pflicht | kleinster Posten |
| Leberwerte vor Beginn | Pflicht | ohne Basislinie ist jeder spätere Wert wertlos |
| Leberwerte während | Pflicht | hier entscheidet sich der Abbruch |
| Lipidprofil vorher/nachher | Pflicht | der HDL-Abfall zeigt sich sonst nie |
| Testosteronbasis | Pflicht | beide Substanzen solo ergeben keine sinnvolle Kur |
| PCT-Medikation | Pflicht | vor Beginn beschaffen |
| Kontrollblutbild danach | Pflicht | belegt die Erholung |
Die 5 häufigsten Einsteigerfehler
Die fünf häufigsten Fehler beim Vergleich dieser beiden Substanzen sind: die Waage als Erfolgsmaß zu lesen, die Dosis zu erhöhen statt die Werte zu prüfen, die Verhältniszahlen für Pharmakologie zu halten, die Kur ohne Testosteronbasis zu fahren und die verbrauchte Gesamtmenge für die strafrechtlich relevante zu halten. Vier davon lassen sich vor der ersten Tablette abstellen.
| Fehler | Warum es schiefgeht | Was stattdessen |
|---|---|---|
| Erfolg an der Waage messen | ein erheblicher Teil ist intrazelluläres Wasser | Umfänge, Kraftwerte, Blutbild |
| Dosis erhöhen | in der einzigen RCT gewann die höhere Dosis weniger bei mehr Leberschaden | Werte prüfen, nicht Milligramm |
| Ratios für Pharmakologie halten | Rattenassay ohne humane Vorhersagekraft | ignorieren |
| Ohne Testosteronbasis fahren | beide unterdrücken vollständig, ersetzen aber nichts | immer mit Basis |
| Kurgesamtmenge für die Rechtsgrenze halten | maßgeblich ist die Menge zu einem Zeitpunkt | die Bestellmenge ist der kritische Punkt |
Glossar — die Begriffe aus diesem Artikel in einfachem Deutsch
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| 17α-alkyliert | chemische Veränderung, die orale Wirksamkeit ermöglicht und die Leber belastet |
| Crossover-Studie | jeder Teilnehmer erhält nacheinander Wirkstoff und Placebo und dient sich selbst als Kontrolle |
| Placebokontrolliert | eine separate Gruppe erhält ein Scheinpräparat — methodisch stärker als ein reiner Vorher-Nachher-Vergleich |
| Hershberger-Test | Bioassay an kastrierten Ratten, aus dem die anabol-androgenen Verhältniszahlen stammen |
| Gesamtkörperkalium (TBK) | Messgröße für die Zellmasse; steigt mit intrazellulärem Wasser ebenso wie mit Muskelgewebe |
| Cholestase | Gallenstau |
| Peliosis hepatis | blutgefüllte Hohlräume im Lebergewebe |
| ALT / AST | Transaminasen; Leberwerte, die bei Zellschädigung steigen — aber auch bei hartem Training |
| DmMV | Dopingmittel-Mengen-Verordnung; legt die „nicht geringe Menge" je Wirkstoff fest |
| Freie Verbindung | der reine Wirkstoff ohne Ester oder Salzanteil — die für die Rechtsgrenze maßgebliche Größe |
| Standardabweichung (±) | Streuungsmaß; eine große Streuung bei kleiner Fallzahl schwächt die Aussage |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welches der beiden macht mehr Masse?
In kontrollierten Studien liegen sie mit 3,5 kg (Oxymetholon, 16 Wochen, placebokontrolliert) gegenüber 3,3 kg und 2,3 kg (Methandienon, je 6 Wochen, Crossover) innerhalb der Streuung. Die Studien sind unterschiedlich angelegt, mit unterschiedlichen Populationen und Zeiträumen — ein direkter Wirkstärkevergleich lässt sich daraus nicht ableiten.
Machen sie stärker?
Die Studie von 1976 hat das untersucht: Kraft und Leistung verbesserten sich in jeder Trainingsphase, aber nicht signifikant unterschiedlich unter Wirkstoff und Placebo. Für Oxymetholon war Kraft kein Endpunkt. Es gibt also für keine der beiden Substanzen einen kontrollierten Beleg einer Kraftsteigerung über das Training hinaus.
Ist die Zunahme echtes Muskelgewebe?
Die Autoren der Studie von 1981 verneinen das für ihre eigenen Daten: Kalium und Stickstoff stiegen zu stark im Verhältnis zur Gewichtszunahme, als dass sich diese normalem Muskel- oder Magergewebe zuordnen ließe. Ihr Fazit lautet, die erzeugte Zunahme sei kein normales Muskelgewebe. Ein erheblicher Anteil ist intrazelluläre Flüssigkeit.
Bringt eine höhere Dosis mehr?
In der einzigen placebokontrollierten Studie nicht. Die 150-mg-Gruppe nahm mit 3,0 kg weniger zu als die 100-mg-Gruppe mit 3,5 kg — bei 35 statt 27 Prozent stark erhöhter Leberwerte und 16 statt 3 Prozent Therapieabbrüchen wegen Lebertoxizität.
Welches ist lebertoxischer?
Beide sind 17α-alkyliert, und das ist der entscheidende Faktor. Quantifizierte Daten gibt es nur für Oxymetholon: über das Fünffache erhöhte ALT-Werte bei 27 Prozent unter 100 mg und 35 Prozent unter 150 mg täglich, gegenüber 0 Prozent unter Placebo. Für Methandienon existiert keine vergleichbare Rate.
Woher stammen die Zahlen 320:45 und 210:60?
Aus dem Hershberger-Bioassay an kastrierten Ratten, zusammengetragen in einem Bodybuilding-Nachschlagewerk. Für Oxymetholon 320:45 ist keine Primärquelle auffindbar. Die Werte sagen nichts über Muskelaufbau, Nebenwirkungen oder Lebertoxizität beim Menschen voraus.
Ab welcher Menge wird es in Deutschland strafbar?
Die Dopingmittel-Mengen-Verordnung nennt für Metandienon und Oxymetholon jeweils 100 Milligramm der freien Verbindung — nicht 150, das ist der Wert für Trenbolon. Maßgeblich ist die Menge, die jemand zu einem Zeitpunkt erwirbt, besitzt oder einführt, nicht die über eine Kur verbrauchte Summe. Eine einzelne Bestellung überschreitet die Grenze in der Regel bereits um ein Vielfaches.
Kann man beide gleichzeitig nehmen?
Beide sind 17α-alkyliert, und die Leberbelastung addiert sich, während die Erholung es nicht tut. Für die Kombination existiert keine Studie — weder zur Wirkung noch zur Sicherheit. Die dazu kursierenden Zahlen zu Leberwerten und Blutdruck unter Kombination stammen aus keiner auffindbaren Quelle.
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. Anabole Steroide sind in Deutschland verschreibungspflichtige Arzneimittel (§ 48 AMG i. V. m. AMVV). Der Erwerb und Besitz nicht geringer Mengen zu Dopingzwecken sowie der Handel sind nach dem Anti-Doping-Gesetz (§§ 2, 4 AntiDopG) strafbar; die zugrunde liegenden Mengen definiert die Dopingmittel-Mengen-Verordnung (DmMV). Verschreibungspflichtige Medikamente, die in diesem Artikel genannt werden, dürfen ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden. Bei akuten Warnzeichen wie Gelbfärbung der Haut, dunklem Urin, anhaltendem Juckreiz oder Oberbauchschmerzen suche sofort einen Arzt oder die Notaufnahme auf. Konsultiere vor der Anwendung leistungssteigernder Substanzen immer einen qualifizierten Arzt oder Facharzt (z. B. Endokrinologen, Hepatologen oder Sportmediziner). Die Autoren übernehmen keine Haftung für gesundheitliche Schäden durch unsachgemäße Anwendung.



