Oxandrolon ist unter den anabolen Substanzen ein Sonderfall: Es ist die einzige, für die eine echte klinische Studienbasis existiert. Zu Stanozolol gibt es keine kontrollierte Humanstudie zu Muskelmasse, zu Drostanolon keine einzige Lipidstudie — zu Oxandrolon liegen 14 randomisierte Studien mit 2.822 Patienten allein aus der Verbrennungsmedizin vor, dazu Dosisfindungsstudien bei HIV-assoziiertem Gewichtsverlust und kontrollierte Studien an älteren Männern.
Diese Studien sagen etwas Genaueres als jede Foren-Erfahrung — und teilweise etwas anderes. Sie zeigen einen realen, messbaren Magermasse-Zuwachs. Sie zeigen auch, dass dieser Zuwachs nach dem Absetzen wieder verschwindet, dass eine höhere Dosis ab einem bestimmten Punkt nichts mehr bringt, und dass die berühmte Verhältniszahl 322:24 aus einem Rattenversuch von 1964 stammt.
Dieser Artikel behandelt Wirkmechanismus und Studienlage. Konkrete Dosierungsschemata, Kurlängen und Kombinationen für Männer stehen im Anavar Kur-Plan, wo auch die Wochenpläne und die Blutbild-Zeitpunkte aufgeschlüsselt sind; die Dosis-Wirkungs-Kurve für Virilisierung bei Frauen behandelt Anavar für Frauen mit den gemessenen Häufigkeiten aus den Turner-Syndrom-Studien.
Oxandrolon in Zahlen — mit Evidenzeinordnung
| Attribut | Wert | Evidenzlage |
|---|---|---|
| Wirkstoff | Oxandrolon (2-Oxa-17α-methyl-DHT) | gesichert |
| Wirkstoffklasse | orales, 17α-alkyliertes DHT-Derivat | gesichert |
| Aromatisierung | nein | gesichert |
| Hepatotoxizität | 17α-alkyliert — Klassenrisiko, keine Ausnahme | gesichert |
| Zugelassene Tagesdosis (historisch) | 2,5–20 mg, auf 2–4 Einzeldosen, 2–4 Wochen | Fachinformation |
| Magermasse, ältere Männer | +3,0 ± 1,5 kg in 12 Wochen | kontrollierte Studie |
| Erhalt nach dem Absetzen | auf Ausgangswert zurück nach 12 Wochen | kontrollierte Studie |
| Dosisobergrenze der Wirkung | 80 mg nicht besser als 40 mg | kontrollierte Studie |
| Halbwertszeit | ca. 9–10 Stunden | Lehrbuchwert |
| Anabol/androgen 322:24 | — | unbelegt — Rattenassay, Buchquelle |
| Magermasse, trainierte Gesunde | — | keine Studie existiert |
| Zulassung | 2023 zurückgezogen | Behördenentscheid |
Wie wirkt Oxandrolon im Körper?
Oxandrolon ist ein orales, 17α-alkyliertes Abkömmling von Dihydrotestosteron, bei dem ein Kohlenstoffatom im A-Ring durch ein Sauerstoffatom ersetzt ist — daher der chemische Name 2-Oxa-17α-methyl-Dihydrotestosteron. Diese Struktur macht die Substanz oral wirksam und schließt eine Umwandlung in Östrogen aus. Der belegte Wirkmechanismus ist eine gesteigerte Effizienz der Muskelproteinsynthese: In einer Studie an schwer verbrannten Kindern verbesserte sich die Netto-Proteinbilanz, weil mehr aufgebaut wurde — der Abbau blieb unverändert.
Diese Unterscheidung ist wichtiger, als sie klingt. Die verbreitete Vorstellung, anabole Substanzen wirkten in erster Linie „antikatabol", trifft für Oxandrolon in dieser Studie nicht zu. Gemessen wurde ein Aufbaueffekt, kein Bremseffekt (Anabolic effects of oxandrolone after severe burn, Ann Surg 2001, 0,1 mg/kg zweimal täglich über eine Woche).
Bestätigt wurde derselbe Mechanismus bei gesunden jungen Männern in einer Tracer-Studie über fünf Tage (Short-term oxandrolone administration stimulates net muscle protein synthesis in young men, JCEM 1999). Das ist Mechanismus, nicht Leistung — die Studie maß den Proteinstoffwechsel, nicht Muskelzuwachs oder Kraft.
Das Fehlende: Oxandrolon aromatisiert nicht, es entsteht also kein Östradiol. Das bedeutet keine östrogenbedingten Wassereinlagerungen und keine Gynäkomastie aus der Substanz selbst — es bedeutet aber auch, dass die Substanz keinen östrogenen Gegenspieler im Lipidstoffwechsel mitbringt.
Was zeigen die Verbrennungsstudien?
Die Verbrennungsmedizin ist das einzige Feld, in dem Oxandrolon systematisch in randomisierten Studien untersucht wurde. Eine Metaanalyse von 14 Studien mit 2.822 Patienten zeigt einen deutlichen Effekt auf die Magermasse und eine verkürzte Krankenhausverweildauer — aber keinen Überlebensvorteil: Das relative Risiko für Sterblichkeit lag bei 1,04 mit einem Vertrauensbereich von 0,47 bis 2,32, also ohne jeden Nachweis eines Nutzens.
| Endpunkt | Ergebnis | Bewertung |
|---|---|---|
| Magermasse | SMD 1,30 | deutlicher Effekt |
| Verweildauer pro % verbrannter Fläche | SMD −1,07 (−2,43 bis 0,29) | Trend, nicht signifikant |
| Heilung der Spenderstelle | SMD −1,48 (−2,18 bis −0,77), p = 0,116 | nicht signifikant |
| Sterblichkeit | RR 1,04 (0,47–2,32) | kein Nutzen |
| Leberenzymanstieg | RR 1,82 (0,52–6,42) | nicht signifikant |
Die Metaanalyse ist Oxandrolone for burn patients: a systematic review and updated meta-analysis of randomized controlled trials (World Journal of Emergency Surgery 2025). Die größte Einzelstudie darin ist eine multizentrische, doppelblinde Untersuchung an 81 Erwachsenen mit 20 bis 60 Prozent verbrannter Körperoberfläche, die 10 mg alle zwölf Stunden erhielten: Die Krankenhausverweildauer sank von 43,3 auf 31,6 Tage (Effects of Oxandrolone on Outcome Measures in the Severely Burned, J Burn Care Res 2006).
Was du daraus für dich mitnimmst — und was nicht. Der Magermasse-Effekt ist real und in einer großen kontrollierten Evidenzbasis abgesichert; das ist mehr, als für fast jede andere anabole Substanz gilt. Die Population ist allerdings eine völlig andere: schwer katabole Patienten mit massivem Gewebeverlust. Ein Effekt, der einen katabolen Zustand korrigiert, sagt nichts Verlässliches über den Zuwachs bei einem gesunden, trainierten Menschen aus. Und die verwendete Dosis lag bei 20 Milligramm täglich, aufgeteilt auf zwei Gaben.
Gibt es eine Dosisobergrenze der Wirkung?
Ja, und sie ist gemessen. In einer doppelblinden Studie an 262 Männern mit HIV-assoziiertem Gewichtsverlust wurden Placebo sowie 20, 40 und 80 Milligramm täglich über zwölf Wochen verglichen. Die Gewichtszunahme betrug 1,1 · 1,8 · 2,8 · 2,3 Kilogramm — die höchste Dosis schnitt also schlechter ab als die mittlere. Bei der Körperzellmasse stieg die Kurve zwar weiter, aber deutlich abgeflacht.
| Dosis | Gewicht | Körperzellmasse |
|---|---|---|
| Placebo | 1,1 ± 2,7 kg | 0,45 ± 1,7 kg |
| 20 mg/Tag | 1,8 ± 3,9 kg | 0,91 ± 2,2 kg |
| 40 mg/Tag | 2,8 ± 3,3 kg | 1,5 ± 2,5 kg |
| 80 mg/Tag | 2,3 ± 2,9 kg | 1,8 ± 1,8 kg |
Die Studie ist Oxandrolone in the treatment of HIV-associated weight loss in men (J Acquir Immune Defic Syndr 2006). Bei 40 und 80 Milligramm traten signifikante Anstiege der Transaminasen auf, das LDL stieg und das HDL fiel; mehr als fünf Prozent der Teilnehmer zeigten mittelschwere bis schwere Leberenzymerhöhungen.
Das ist die belastbarste Antwort auf die häufigste Dosierungsfrage im deutschen Netz. Die Vorstellung, mehr Milligramm brächten proportional mehr Ergebnis, ist an dieser Substanz direkt geprüft und widerlegt worden — bei gleichzeitig steigender Leber- und Lipidbelastung. Was das für die Kurplanung bedeutet, mit Wochenschema und Blutbild-Zeitpunkten, steht im Kur-Plan.
Bleibt der Muskelaufbau nach dem Absetzen?
Nein. In der einzigen Studie, die nach dem Absetzen weitergemessen hat, stieg die Magermasse unter 20 Milligramm täglich über zwölf Wochen um 3,0 ± 1,5 Kilogramm — und lag zwölf Wochen nach dem Absetzen wieder auf dem Ausgangswert. Die im deutschen Netz verbreitete Angabe, 60 bis 75 Prozent des Zuwachses blieben erhalten, hat keine Studiengrundlage und wird durch diese Nachbeobachtung widerlegt.
Die Studie heißt bezeichnenderweise Treatment with oxandrolone and the durability of effects in older men (J Appl Physiol 2004) — die Haltbarkeit der Wirkung war die Forschungsfrage, und die Antwort lautete: keine.
Das erklärt eine Beobachtung, die in deutschen Foren regelmäßig auftaucht — der Einbruch nach dem Absetzen, den Anwender als persönliches Versagen deuten. Er ist keiner. Er ist das dokumentierte Verhalten der Substanz. Wie du die Hormonachse danach wieder in Gang bringst und woran du die Erholung im Blutbild abliest, beschreibt Absetzen von Steroiden: PCT-Grundlagen mit dem Startzeitpunkt, den Wirkstoffen und den Kontrollintervallen.
Woher stammt das Verhältnis 322:24?
Aus einem Rattenversuch. Die Verhältniszahl 322:24 lässt sich auf keine indexierte Primärstudie am Menschen zurückführen. Sie stammt aus einem Hershberger-Assay an kastrierten Ratten von 1964, bei dem das Wachstum eines einzelnen Muskels gegen die Wirkung auf die Prostata verrechnet und ins Verhältnis zu Methyltestosteron gesetzt wurde. In der Bodybuilding-Fachliteratur wird der anabole Wert dabei mit einer Spanne von 322 bis 630 angegeben — eine Zahl, die um den Faktor zwei schwankt, ist keine gemessene Konstante.
Zwei Punkte machen den Befund eindeutig.
Die zugelassene Fachinformation enthält überhaupt keine Verhältnisangabe. Wer 322:24 als „offiziellen Wert" liest, liest keine regulatorische Angabe, sondern eine Zahl aus einem Nachschlagewerk.
Und das Verhältnis sagt nichts über die Wirkung beim Menschen. In der einzigen randomisierten Studie zu Oxandrolon mit begleitendem Krafttraining verbesserte sich die Kraft nicht signifikant — bei einer Substanz, der eine 322-fache anabole Potenz zugeschrieben wird. Verhältniszahlen aus Nagerassays ordnen Substanzen grob ein. Sie eignen sich nicht dafür, Dosierungen zwischen Wirkstoffen umzurechnen oder Ergebnisse vorherzusagen.
Wie stark belastet Oxandrolon die Leber?
Als 17α-alkylierte Substanz trägt Oxandrolon das volle Klassenrisiko — die klinische Referenzdatenbank LiverTox führt für diese Gruppe verlängerte Cholestase, Peliosis hepatis, noduläre Regeneration, Leberadenome und hepatozelluläre Karzinome auf und macht keine Ausnahme für Oxandrolon. In einer randomisierten Studie lag der ALT-Wert bei 40 Prozent der Oxandrolon-Gruppe über dem Normbereich gegenüber 7 Prozent unter Placebo.
Die Einordnung stammt aus LiverTox — Androgenic Steroids (NIDDK). Eine eigene, oxandrolonspezifische Entwarnung existiert dort nicht — die verbreitete Aussage, Anavar sei „das leberfreundlichste orale Steroid", hat in dieser Quelle keine Grundlage.
Fairerweise gehört die Gegenseite dazu: In der Verbrennungs-Metaanalyse war der Leberenzymanstieg statistisch nicht signifikant, und in der Studie an älteren Männern überschritten nur zwei von zwanzig Teilnehmern den Normbereich, mit Rückkehr zur Norm. Die Belastung ist also dosisabhängig und in therapeutischen Bereichen oft mild. Bei 40 und 80 Milligramm täglich sah das in der HIV-Studie anders aus.
Warum das Lipidprofil bei oralen 17α-alkylierten Substanzen so viel stärker leidet als bei injizierbaren — der entscheidende Faktor ist der erste Leberdurchgang und ein Enzym namens hepatische Lipase, nicht die fehlende Aromatisierung — erklärt Lipidprofil auf Kur mit der Tag-für-Tag-Kurve, den HDL2-Werten und den Erholungszeiten. Wie sich der Leberschaden im Blutbild ankündigt, ab welchem Wert du abbrichst und welche Frühwarnzeichen zählen, behandelt Steroide und Leber mit den Alarmwerten und der Evidenzeinordnung der gängigen Leberschutz-Präparate.
Gibt es eine Studie an trainierten Gesunden?
Nein. Sämtliche kontrollierten Humanstudien zu Oxandrolon wurden an Verbrennungspatienten, HIV-Patienten, Kindern mit Wachstumsstörungen oder Menschen zwischen 60 und 87 Jahren durchgeführt. Eine randomisierte Studie an gesunden, trainierten Erwachsenen existiert nicht. Jede Angabe der Form „3 bis 6 Kilogramm Muskelaufbau" oder „10 bis 20 Prozent mehr Kraft" ist damit eine Übertragung aus einer anderen Population, keine Messung.
Das ist keine Spitzfindigkeit. Die drei untersuchten Gruppen haben eines gemeinsam: Sie befinden sich in einem katabolen oder unterversorgten Zustand. Eine Substanz, die einen Verlust korrigiert, verhält sich nicht zwangsläufig gleich, wenn nichts zu korrigieren ist. Der Effekt bei einem 25-jährigen Trainierten kann größer oder kleiner sein — er ist schlicht nicht gemessen.
Was sich seriös sagen lässt: Der Magermasse-Effekt ist bei mehreren Populationen konsistent nachgewiesen, er ist an die Einnahme gebunden, und er skaliert oberhalb von 40 Milligramm nicht weiter.
Ist Oxandrolon noch zugelassen?
Nein. Das Originalpräparat wurde im Juni 2023 vom Markt genommen, und die US-Arzneimittelbehörde stellte im September 2023 förmlich fest, dass die Rücknahme aus Gründen der Sicherheit oder Wirksamkeit erfolgte — nicht aus wirtschaftlichen. In der Begründung heißt es, das zuständige Beratungsgremium sei einstimmig zu dem Schluss gekommen, es liege kein Wirksamkeitsnachweis vor, und das Nutzen-Risiko-Profil sei ungünstig.
Genannt werden dabei ausdrücklich Peliosis hepatis, Leberzelltumoren und atherogene Lipidveränderungen. Die Behörde hält zudem fest, dass künftig keine Generika-Anträge mehr angenommen oder zugelassen werden, die sich auf dieses Präparat beziehen.
Drei Konsequenzen ergeben sich daraus.
Jede deutschsprachige Seite, die die alte Fachinformation als geltende Zulassung präsentiert, ist nicht mehr aktuell. Die dort genannten 2,5 bis 20 Milligramm sind eine historische Referenz, kein gültiger Rahmen.
Die Studien bleiben gültig. Die Verbrennungs-, Turner- und HIV-Daten sind nicht zurückgezogen worden. Der Widerspruch ist nur scheinbar: Die Behörde bewertete die Wirksamkeit für die zugelassene Indikation — Gewichtszunahme nach Trauma und Operation —, nicht die Magermasse-Effekte in anderen Settings.
Und die letzte legale Bezugsquelle für ein geprüftes Präparat ist damit weggefallen. In Deutschland war Oxandrolon ohnehin nie im Verkehr.
Ist Anavar für dich sinnvoll?
Oxandrolon ergibt Sinn, wenn du einen moderaten Magermasse-Zuwachs ohne Wassereinlagerung suchst und akzeptierst, dass dieser Zuwachs an die Einnahme gebunden ist. Es ergibt keinen Sinn, wenn du Kraft als Hauptziel hast oder erwartest, das Ergebnis nach dem Absetzen zu behalten — für beides ist die Studienlage negativ beziehungsweise nicht vorhanden.
Spricht dafür:
Du willst Magermasse ohne östrogenbedingte Wassereinlagerung
Du bist bereit, Leberwerte und Lipidprofil regelmäßig kontrollieren zu lassen
Du planst eine kurze Phase und keine Dauerlösung
Dein Ausgangs-HDL liegt im guten Bereich
Spricht dagegen:
Es wäre deine erste Anwendung überhaupt
Kraftzuwachs ist dein Hauptziel
Du erwartest, das Ergebnis nach dem Absetzen zu behalten
Du kannst die Herkunft des Präparats nicht überprüfen
Du fährst bereits eine andere orale 17α-alkylierte Substanz
Dein Lipidprofil ist vorbelastet
Was kostet das wirklich?
Oxandrolon gehört pro Woche zu den teureren oralen Substanzen, und die Substanz ist trotzdem der kleinere Posten. Zur ehrlichen Rechnung gehören mindestens drei Blutabnahmen mit Leberwerten und Lipidprofil, eine Testosteronbasis, falls die Phase länger als wenige Wochen läuft, sowie die PCT-Medikation.
| Position | Notwendigkeit | Anmerkung |
|---|---|---|
| Oxandrolon | Pflicht | teuer pro Woche; ohne geprüfte Herkunft ist die Dosis unbekannt |
| Testosteronbasis | bei längeren Phasen Pflicht | die Achse wird auch von Oxandrolon unterdrückt |
| Blutbild vor der Anwendung | Pflicht | Ausgangswert für Leber und Lipide |
| Blutbild währenddessen | Pflicht | hier entscheidet sich, ob du weitermachst |
| Blutbild danach | Pflicht | belegt die Erholung |
| PCT-Medikation | Pflicht | vor Beginn beschaffen |
Die 5 häufigsten Einsteigerfehler
Die fünf häufigsten Fehler sind: die Dosis über 40 Milligramm zu steigern, mit dauerhaftem Erhalt des Zuwachses zu rechnen, Oxandrolon für leberfreundlich zu halten, das anabole Verhältnis 322:24 als Wirkungsversprechen zu lesen und die Zahlen aus Studien an Verbrennungs- oder HIV-Patienten auf sich selbst zu übertragen.
| Fehler | Warum es schiefgeht | Was stattdessen |
|---|---|---|
| Dosis über 40 mg steigern | 80 mg war in der Studie schlechter als 40 mg | im gemessenen Bereich bleiben |
| Mit Erhalt rechnen | Magermasse zurück auf Ausgangswert nach 12 Wochen | die Phase als temporär planen |
| „Leberfreundlich" annehmen | LiverTox macht keine Ausnahme; ALT bei 40 % erhöht | Leberwerte kontrollieren |
| 322:24 als Versprechen lesen | Rattenassay von 1964; Kraft in der einzigen Trainingsstudie unverändert | Verhältniszahlen ignorieren |
| Studienzahlen übertragen | untersucht wurden Verbrannte, HIV-Patienten und 60- bis 87-Jährige | eigene Blutwerte als Maßstab |
Oxandrolon ist in Deutschland verschreibungspflichtig und war dort nie im Verkehr; welche Normen gelten, ab wann Besitz strafbar wird und wo die Mengengrenzen liegen, beschreibt Sind Steroide in Deutschland rezeptpflichtig? Die Gesetzeslage mit den einschlägigen Paragraphen des Arzneimittelgesetzes und des Anti-Doping-Gesetzes.
Glossar — die Begriffe aus diesem Artikel in einfachem Deutsch
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Oxandrolon | der Wirkstoff; Anavar ist ein Handelsname |
| DHT-Derivat | Abkömmling von Dihydrotestosteron, der stark androgenen Form des Testosterons |
| 17α-alkyliert | chemische Veränderung, die orale Wirksamkeit ermöglicht und die Leber belastet |
| Aromatisierung | Umwandlung eines Androgens in Östrogen — bei Oxandrolon nicht möglich |
| Magermasse | Körpergewicht ohne Fettanteil |
| Körperzellmasse | der stoffwechselaktive Anteil der Magermasse |
| Proteinsynthese | der Aufbau von Muskeleiweiß |
| katabol | abbauend — der Zustand, in dem sich die untersuchten Patientengruppen befanden |
| RCT | randomisierte kontrollierte Studie |
| Metaanalyse | statistische Zusammenfassung mehrerer Studien |
| RR (relatives Risiko) | Verhältnis der Ereignisraten; 1,0 bedeutet kein Unterschied |
| SMD | standardisierte mittlere Differenz — Maß für die Effektstärke |
| ALT | Leberwert, steigt bei Belastung der Leberzellen |
| Peliosis hepatis | blutgefüllte Hohlräume im Lebergewebe |
| Cholestase | Gallenstau |
| Hershberger-Assay | Rattenversuch, aus dem die anabol-androgenen Verhältniszahlen stammen |
| Halbwertszeit | Zeit, in der die Hälfte des Wirkstoffs abgebaut ist |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie viel Muskel baut Oxandrolon wirklich auf?
In der einzigen Studie mit Nachbeobachtung stieg die Magermasse bei älteren Männern unter 20 mg täglich um 3,0 kg in zwölf Wochen. Für gesunde trainierte Erwachsene existiert keine Studie. Die im Netz genannten „3 bis 6 kg" sind eine Übertragung, keine Messung.
Bringt eine höhere Dosis mehr?
Oberhalb von 40 mg täglich nicht. In der HIV-Dosisfindungsstudie nahmen die Teilnehmer unter 80 mg weniger zu als unter 40 mg, bei gleichzeitig stärkerer Leber- und Lipidbelastung.
Ist Anavar wirklich leberfreundlich?
Nein, nicht im Sinne einer Ausnahme. LiverTox behandelt Oxandrolon im Klassenkapitel der 17α-alkylierten Substanzen ohne Entwarnung. In einer randomisierten Studie lag der ALT-Wert bei 40 Prozent der Teilnehmer über der Norm gegenüber 7 Prozent unter Placebo.
Was bedeutet das Verhältnis 322:24?
Es stammt aus einem Rattenversuch von 1964 und ist auf keine Humanstudie zurückführbar. In der Fachliteratur wird der anabole Wert mit einer Spanne von 322 bis 630 angegeben — eine Zahl, die um den Faktor zwei schwankt, ist keine Messgröße. Die zugelassene Fachinformation nennt gar kein Verhältnis.
Warum verliere ich nach dem Absetzen alles wieder?
Weil der Effekt an die Einnahme gebunden ist. In der Nachbeobachtungsstudie lag die Magermasse zwölf Wochen nach dem Absetzen wieder auf dem Ausgangswert. Das ist das dokumentierte Verhalten der Substanz, kein Anwendungsfehler.
Wie lange ist Oxandrolon nachweisbar?
Dazu existiert keine offizielle Tagesangabe. Analytiker weisen darauf hin, dass die Entdeckung sogenannter Langzeitmetaboliten das Nachweisfenster erheblich verlängert hat — eine belastbare Zahl in Tagen wird dazu aber nicht publiziert. Die kursierenden „18 Tage" sind unbelegt.
Aromatisiert Oxandrolon?
Nein. Als DHT-Derivat kann es nicht in Östrogen umgewandelt werden. Wassereinlagerungen und Gynäkomastie entstehen aus dieser Substanz nicht — wohl aber aus einer gleichzeitig gefahrenen Testosteronbasis.
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. Anabole Steroide sind in Deutschland verschreibungspflichtige Arzneimittel (§ 48 AMG i. V. m. AMVV). Der Erwerb und Besitz nicht geringer Mengen zu Dopingzwecken sowie der Handel sind nach dem Anti-Doping-Gesetz (§§ 2, 4 AntiDopG) strafbar; die zugrunde liegenden Mengen definiert die Dopingmittel-Mengen-Verordnung (DmMV). Verschreibungspflichtige Medikamente, die in diesem Artikel genannt werden, dürfen ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden. Bei akuten Warnzeichen suche sofort einen Arzt oder die Notaufnahme auf. Konsultiere vor der Anwendung leistungssteigernder Substanzen immer einen qualifizierten Arzt oder Facharzt (z.B. Endokrinologen, Hepatologen oder Sportmediziner). Die Autoren übernehmen keine Haftung für gesundheitliche Schäden durch unsachgemäße Anwendung.



