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Arten von Anabolika: Die Wirkstoffklassen im Überblick

Anabole Steroide lassen sich nach zwei Achsen einteilen: nach ihrer chemischen Familie (testosteronbasiert, DHT-Derivate, 19-Nor-Verbindungen) und nach ihrer Verabreichungsform (oral oder injizierbar). Aus diesen drei chemischen…

Arten von Anabolika: Die Wirkstoffklassen im Überblick

Anabole Steroide lassen sich nach zwei Achsen einteilen: nach ihrer chemischen Familie (testosteronbasiert, DHT-Derivate, 19-Nor-Verbindungen) und nach ihrer Verabreichungsform (oral oder injizierbar). Aus diesen drei chemischen Hauptfamilien leiten sich praktisch alle gängigen Verbindungen ab — und die Familie bestimmt, ob ein Steroid zu Östrogen aromatisiert, wie stark es androgen wirkt und wofür es eingesetzt wird.

Dieser Leitfaden ordnet die Arten von Anabolika nach diesem System, erklärt, was jede Klasse auszeichnet, und nennt die typischen Vertreter. Für die genaue Dosierung, Wirkung und Nebenwirkungen jeder einzelnen Substanz verweisen wir auf die jeweiligen Detailartikel — dieser Überblick liefert die Landkarte, nicht das einzelne Protokoll. Eine grundlegende Einführung in das Thema bietet der Artikel Anabolika 101. Alle hier genannten Substanzen sind in Deutschland verschreibungspflichtig und fallen unter das Arzneimittelgesetz (§ 6a AMG).

Was sind Anabolika und wie werden sie eingeteilt?

Anabole androgene Steroide (AAS) sind synthetische Abkömmlinge des Testosterons, die das Muskelwachstum und die körperliche Leistungsfähigkeit steigern. Eingeteilt werden sie nach zwei Achsen: der chemischen Familie und der Verabreichungsform. Es gibt drei chemische Hauptfamilien — testosteronbasierte Verbindungen, DHT-Derivate und 19-Nor-Verbindungen —, die sich jeweils oral oder injizierbar verabreichen lassen. Die chemische Familie ist die wichtigere Achse: Sie entscheidet über Aromatisierung, androgene Stärke und Anwendungszweck. Medizinisch werden AAS bei verzögerter Pubertät, Muskelschwund und Osteoporose eingesetzt.

Die Übersichtsarbeit „Pharmacology of anabolic steroids" von Kicman (2008) ordnet alle anabolen Steroide drei strukturellen Grundklassen zu: Testosteron und seine Ester, Abkömmlinge des Dihydrotestosterons (DHT) und Abkömmlinge des 19-Nortestosterons. Aus diesen drei Familien leiten sich alle weiteren Verbindungen ab — die Unterschiede zwischen einzelnen Präparaten entstehen oft nur durch einen anderen Ester (der die Wirkdauer steuert), nicht durch einen anderen Wirkstoff.

Die Grenze zwischen medizinischer Anwendung und Leistungssteigerung verläuft entlang der Dosis. Die Leitlinie der Endocrine Society zur Testosterontherapie bei Hypogonadismus beschreibt, dass exogene Androgene die normale körperliche Funktion wiederherstellen können — supraphysiologische Dosen jedoch den Bereich der Therapie verlassen und in die Leistungssteigerung übergehen. Eines haben dabei alle Klassen gemeinsam: Sie unterdrücken die körpereigene Testosteronproduktion über die HPTA-Achse. Diese Unterdrückung ist keine Frage der Substanzwahl, sondern unvermeidlich.

Orale vs. injizierbare Anabolika

Die zweite Einteilungsachse ist die Verabreichungsform. Orale Anabolika wirken schnell und sind einfach zu dosieren, belasten als C17-alpha-alkylierte Verbindungen aber die Leber und sollten nicht länger als 6 bis 8 Wochen angewendet werden. Injizierbare Anabolika umgehen die Leber, wirken über längere Ester gleichmäßiger und eignen sich für längere Kuren, erfordern aber eine korrekte Injektionstechnik. Viele Wirkstoffe existieren in beiden Formen — die Wahl der Form ändert nicht die chemische Familie, der ein Steroid angehört.

Orale Steroide sind an der C17-alpha-Position chemisch so verändert, dass sie den ersten Leberdurchgang überstehen — genau diese Modifikation macht sie jedoch lebertoxisch. Den Mechanismus dahinter erklärt der Artikel 17-alpha-Alkylierung und Lebertoxizität. Ein umfassender Überblick über die oralen Vertreter steht im Leitfaden zu oralen Anabolika; alle oralen Produkte finden sich in der Kategorie Anabolika Tabletten.

Injizierbare Steroide werden intramuskulär verabreicht und gelangen über ein Depot langsam ins Blut, wodurch sie die Leber weitgehend umgehen und bei längerer Anwendung verträglicher sind. Wie diese Wirkstoffe pharmakologisch arbeiten, behandelt der Artikel Injizierbare Steroide: Wirkmechanismen; die injizierbaren Produkte stehen in der Kategorie Anabolika Spritze. Den direkten Vergleich beider Verabreichungsformen — mit Vor- und Nachteilen je Anwendungsfall — bietet der Artikel Orale vs. injizierbare Anabolika.

MerkmalOrale AnabolikaInjizierbare Anabolika
Wirkungseintrittschnelllangsamer (esterabhängig)
Leberbelastunghoch (C17-alpha-alkyliert)gering
Maximale Anwendungsdauer6–8 Wochenlängere Kuren möglich
Typische VertreterDianabol, Anavar, WinstrolTestosteron, Deca, Trenbolon

Testosteron-basierte Verbindungen — die Grundlage

Testosteron-basierte Verbindungen bilden die Grundlage fast jeder Kur und gelten als Goldstandard. Reines Testosteron hat ein anaboles-zu-androgenes Verhältnis von 100:100 — es ist der Maßstab, an dem alle anderen Steroide gemessen werden. Es aromatisiert zu Östrogen, weshalb ohne einen Aromatasehemmer Nebenwirkungen wie Gynäkomastie und Wassereinlagerung auftreten können. Die einzelnen Präparate unterscheiden sich nur im Ester — Propionat (kurz), Enantat und Cypionat (lang) —, der die Wirkdauer und die Injektionshäufigkeit bestimmt, nicht den Wirkstoff selbst.

Testosteron ist meist das erste Steroid, das ein Anwender einsetzt, weil es das am besten untersuchte und am leichtesten steuerbare ist. Eine grundlegende Einführung bietet Testosteron 101. Der angehängte Ester entscheidet über das Protokoll: Propionat erfordert Injektionen jeden zweiten Tag, Enantat und Cypionat genügen ein- bis zweimal wöchentlich.

EsterHalbwertszeitInjektionshäufigkeitAnwendungsfall
Propionat2–3 Tagejeden zweiten Tagkurze Kuren, Wettkampfvorbereitung
Enantat7–10 Tagezweimal wöchentlichMassephase, langfristige Stabilität
Cypionat~8 Tagewöchentlichgleichmäßige Spiegel

Die meisten Anwender setzen in der Aufbauphase Testosteron Enantat oder Cypionat im Bereich von 300–500 mg pro Woche ein. Detaillierte Protokolle stehen im Testosteron-Enantat-Zyklus, in der Testosteron-Cypionat-Kur und im übergreifenden Testosteron-Kur-Plan. Da Testosteron zu Östrogen aromatisiert, gehört ein Aromatasehemmer ab höheren Dosen dazu — die östrogenbedingte Nebenwirkung Gynäkomastie behandelt der Artikel Gynäkomastie.

DHT-Derivate — nicht-aromatisierend und trocken

DHT-Derivate werden aus Dihydrotestosteron gewonnen und aromatisieren nicht zu Östrogen — das macht sie ideal für trockene Zuwächse und die Definitionsphase, ohne Wassereinlagerung oder Gynäkomastie-Risiko durch Östrogen. Zu dieser Familie gehören Anavar, Winstrol, Masteron, Primobolan und Proviron. Sie unterscheiden sich in der androgenen Stärke und der Verabreichungsform, teilen aber das gemeinsame Merkmal, dass sie keinen Aromatasehemmer erfordern. Einige sind oral (Anavar, Winstrol), andere injizierbar (Masteron, Primobolan).

Da diese Verbindungen nicht zu Östrogen umgewandelt werden, sind die typischen Östrogen-Nebenwirkungen ausgeschlossen — der Muskelzuwachs wirkt „trocken" und definiert. Die wichtigsten Vertreter:

VerbindungFormAromatisierungHauptanwendung
Anavar (Oxandrolon)oralneinDefinition, für Frauen geeignet
Winstrol (Stanozolol)oral/injizierbarneinHärte, Vaskularität
Masteron (Drostanolon)injizierbarneinHärte vor dem Wettkampf
Primobolan (Methenolon)injizierbarneinmilder Aufbau, Definition
Proviron (Mesterolon)oralneinZusatzwirkstoff, freies Testosteron

Anavar (Oxandrolon) ist das mildeste orale DHT-Derivat mit geringer androgener Last; seine Wirkung beschreibt der Artikel Anavar Wirkung, die Nebenwirkungen der Beitrag Nebenwirkungen von Anavar. Winstrol sorgt für Härte und Vaskularität, belastet aber die Leber und senkt das HDL-Cholesterin (siehe Winstrol Effekte). Masteron (Drostanolon) wird vor allem zur Wettkampfhärte eingesetzt. Primobolan gilt als das mildeste injizierbare Steroid — die Details stehen im Artikel Auswirkungen von Primobolan. Proviron wird selten allein, sondern meist als Zusatz zur Erhöhung des freien Testosterons verwendet.

19-Nor-Verbindungen — die Nandrolon-Derivate

19-Nor-Verbindungen sind Abkömmlinge des Nandrolons (19-Nortestosteron); ihnen fehlt das Kohlenstoffatom an Position 19. Zu dieser Familie gehören Deca Durabolin, NPP und Trenbolon. Nandrolon-basierte Vertreter wie Deca und NPP haben ein anaboles-zu-androgenes Verhältnis von 125:37 — stark muskelaufbauend bei niedriger androgener Last — und binden an Progesteronrezeptoren, was eigene Nebenwirkungen mit sich bringt. Alle 19-Nor-Verbindungen unterdrücken die HPTA-Achse besonders stark und dürfen beim Mann niemals ohne Testosteron-Basis gefahren werden.

Diese Familie umfasst zwei sehr unterschiedliche Untergruppen: die langsam und gelenkfreundlich aufbauenden Nandrolone (Deca, NPP) und das ausgesprochen starke Trenbolon.

VerbindungFormBesonderheitHauptanwendung
Deca Durabolin (Nandrolon-Decanoat)injizierbarlanger Ester, progestogenlangsamer Aufbau, Gelenke
NPP (Nandrolon-Phenylpropionat)injizierbarkurzer Ester, schnellere Clearancekürzere Aufbauphasen
Trenboloninjizierbarextrem androgen (Verhältnis ~500)Härte, Fettabbau, Kraft

Deca Durabolin baut langsam hochwertige Masse auf und lindert Gelenkbeschwerden, kann ohne ausreichende Testosteron-Basis aber erektile Dysfunktion auslösen. NPP ist die Variante mit kürzerem Ester und schnellerer Clearance; die genaue Anwendung beschreibt der Artikel Nandrolonphenylpropionat: Dosierung und Kuren. Trenbolon fällt aus dem Rahmen: Mit einem androgenen Wert von rund 500 (Testosteron = 100) ist es eines der stärksten Steroide überhaupt, aromatisiert nicht, bringt aber erhebliche Nebenwirkungen mit sich und ist kein Anfänger-Präparat — die dokumentierten Risiken listet der Artikel Nebenwirkungen von Trenbolon.

Anabolika nach Zielsetzung wählen

Die Wahl der Anabolika-Art richtet sich nach dem Ziel: Für die Massephase eignen sich aromatisierende Aufbau-Steroide wie Testosteron und Deca, für die Definitionsphase nicht-aromatisierende DHT-Derivate wie Anavar und Masteron, für reine Kraft stark androgene Verbindungen, und für Frauen kommen wegen des Virilisierungsrisikos nur die mildesten Vertreter infrage. Keine dieser Klassen ist „sicher" — alle erfordern eine Nachsorge. Die folgende Übersicht ist ein Wegweiser; die ausführlichen Substanzvergleiche stehen in den verlinkten Artikeln.

Für den Muskelaufbau sind testosteronbasierte und 19-Nor-Verbindungen die erste Wahl; einen Vergleich der wirksamsten Substanzen bietet Die besten Steroide für den Muskelaufbau. Für die Definitionsphase dominieren die nicht-aromatisierenden DHT-Derivate — die Übersicht dazu liefert Die besten Steroide zur Fettverbrennung. Wer reine Kraft ohne übermäßige Masse sucht, findet die Optionen unter Die besten Anabolika für Kraft.

Für Frauen gilt eine eigene Logik: Wegen des Virilisierungsrisikos — Stimmvertiefung und andere teils irreversible Vermännlichungserscheinungen — kommen nur die mildesten Substanzen wie Anavar oder niedrig dosiertes Primobolan infrage, während stark androgene Verbindungen wie Trenbolon, Dianabol und Winstrol zu meiden sind. Die Einordnung dazu bietet der Artikel Steroide für Frauen. Einen substanzübergreifenden Vergleich aller Klassen liefert Steroide im Vergleich.

Warum jede Klasse eine PCT erfordert

Jede Klasse anaboler Steroide unterdrückt die körpereigene Testosteronproduktion — ohne Ausnahme. Innerhalb weniger Tage nach Kurbeginn fallen die Hormone LH und FSH ab, die Hoden reduzieren ihre Produktion. Deshalb ist eine Nachzyklus-Therapie (PCT) nach jeder Kur notwendig, nicht nur nach den „starken" Substanzen. Selbst milde Verbindungen wie Anavar oder Primobolan erfordern eine Erholungsphase und ein Monitoring der Blutwerte. Der Mythos, milde Steroide unterdrückten nicht, ist falsch.

Das StatPearls-Referenzwerk zu anabolen Steroiden beschreibt diese HPTA-Unterdrückung als gemeinsamen Effekt aller exogenen Androgene. Nach dem Absetzen kommt die körpereigene Produktion nicht von selbst sofort wieder in Gang — bleibt eine PCT aus, drohen anhaltende Symptome eines niedrigen Testosteronspiegels wie Müdigkeit, depressive Verstimmung und Libidoverlust.

Eine PCT stützt sich auf SERMs wie Clomifen und Tamoxifen, bei stark unterdrückenden Kuren ergänzt um eine HCG-Brücke davor — eingesetzt nur nach laborbestätigter Unterdrückung. Die Grundlagen erklärt der Leitfaden Steroide richtig absetzen: PCT-Grundlagen, die Auswahl der Wirkstoffe der Artikel SERMs für die PCT.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Arten von Anabolika gibt es?

Anabolika gliedern sich in drei chemische Hauptfamilien: testosteronbasierte Verbindungen, DHT-Derivate (nicht-aromatisierend) und 19-Nor-Verbindungen (Nandrolon-Derivate). Quer dazu verläuft die Einteilung nach Verabreichungsform in orale und injizierbare Steroide.

Welche Steroide wandeln sich nicht in Östrogen um?

Nicht-aromatisierende Verbindungen sind vor allem die DHT-Derivate Anavar, Winstrol, Masteron und Primobolan sowie das 19-Nor-Steroid Trenbolon. Sie verursachen keine östrogenbedingte Gynäkomastie oder Wassereinlagerung, können aber andere Nebenwirkungen haben.

Welches ist das mildeste injizierbare Steroid?

Primobolan (Methenolon) gilt als das mildeste injizierbare Steroid — geringe androgene Wirkung, keine Aromatisierung und keine relevante Leberbelastung. Die Ergebnisse sind subtil, aber trocken. Details im Artikel zu den Auswirkungen von Primobolan.

Welches orale Steroid ist am schonendsten für die Leber?

Anavar (Oxandrolon) ist das oral verabreichte Steroid mit der geringsten Lebertoxizität. Dennoch ist es C17-alpha-alkyliert und erfordert bei hohen Dosen oder langer Anwendung Vorsicht; eine Kur sollte 6–8 Wochen nicht überschreiten.

Brauchen milde Steroide auch eine PCT?

Ja. Alle anabolen Steroide unterdrücken die HPTA-Achse bis zu einem gewissen Grad, auch milde wie Anavar oder Primobolan. Eine Nachzyklus-Therapie und ein Monitoring der Blutwerte sind nach jeder Kur notwendig.

Was ist der Unterschied zwischen den Estern eines Steroids?

Der Ester steuert die Wirkdauer, nicht den Wirkstoff. Kurze Ester wie Propionat fluten schnell an und erfordern häufigere Injektionen, lange Ester wie Enantat oder Decanoat wirken über Tage gleichmäßig. Der zugrunde liegende Wirkstoff bleibt derselbe.

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. Anabole Steroide sind in Deutschland nach dem Arzneimittelgesetz (§ 6a AMG) und dem Anti-Doping-Gesetz (AntiDopG) rezeptpflichtig; der Erwerb, Besitz oder Handel in nicht geringer Menge ist strafbar. Die in diesem Artikel genannten Substanzen sind verschreibungspflichtig und dürfen nur unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden. Alle anabolen Steroide unterdrücken die körpereigene Hormonproduktion und erfordern eine ärztlich begleitete Nachsorge sowie regelmäßige Blutwertkontrollen. Konsultiere vor der Anwendung leistungssteigernder oder hormoneller Substanzen immer einen qualifizierten Arzt, Endokrinologen oder Sportmediziner. Die Autoren übernehmen keine Haftung für gesundheitliche Schäden durch unsachgemäße Anwendung.